PLURALE. Zeitschrift für Denkversionen
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Tom Leonhardt
Harald F. Müller
Anselmo Fox
Irene Suhr
 
 
 
 
PLURALE Kunst
Tom Leonhardt
Für Natur – Plurale 2(2003) erstellte der Maler Tom Leonhardt eigens ein Titelbild für Plurale.

Der Grafik liegt eine Fotografie aus Vogelperspektive zugrunde, die eine zersiedelte Landschaft, kantige Feldstücke und die geschwungenen Linien von Autobahnen zeigt. Was sich gegen die geometrischen Ackerparzellen und die rechtwinkligen Haussymbole als vierblättrige Blüte oder Kleeblatt abhebt, sind Autobahnkreuze. Eine schöne Umkehrung von Naturwahrnehmung: Gerade das, was pflanzenhaft und naturnah sein könnte, zeigt sich nur als berechnete Fläche, und das, was romantischem Naturempfinden entgegensteht, Lärm, Gestank, Asphaltgrau, stellt sich als Bild einer Blüte in den Blick.

Diese Umkehrung und Verhandlung von Räumlichkeit, der Sprung vom Ortungs- zum Erfahrungsraum, das Wandern des Auges übers Bild, kehrt in Tom Leonhardts Bildern und Zeichnungen variiert wieder.

Aus dem Plurale-Artikel Das Bild vom Bild vom Bild der Natur. Tom Leonhardts Giardini-Zyklus von Mirjam Goller:

"Die Position eines Betrachters oder Beobachters vor dem Bild legt diesen Ersteindruck des Überblicks, einer erhabenen Position, einer Karte und damit Zweidimensionalität nahe: ein Blick von außen, von oben. Das Farb– und Formdickicht jedoch lässt keine Zentralperspektive zu, sondern nur eine flächige Aufsicht oder einen heterozentrischen, wiederholten Einblick, und beide schlagen um in einen suchenden Blick, der die Stillständigkeit des Überblicks in Bewegung bringt. Der Betrachter wird zum Teilnehmer. [...]

[...]

Der geopolitische Aspekt, die Inanspruchnahme der Natur durch den gestalteten und gestaltenden Garten, des Raums durch den taktierenden mehr als durch den ästhetisierenden Blick, wird betont.

[...]

Der Zyklus Gartenarbeit ist abgeschlossen. Er hat jedoch eine Perspektive hervorgebracht, die den Konflikt von Ortungs– und Erfahrungsraum noch zuspitzt. Die neue Serie, an der Tom Leonhardt arbeitet, zeigt Stadtpläne oder Aufsichten auf aufgerissene Erde, runde Bombentrichter, und darüber und bzw. oder dazwischen Flugmaschinerie zwischen Nachtfalter und Air force. Das Wort vom Lageplan gewinnt eine unheimliche Dimension mehr bzw. spricht die Gefahr der Macht und der Arroganz an, die die erhöhte Position des Überblicks anbietet, die Verwundbarkeit dessen, was von oben einsichtig scheint. Die (Garten–)Karte wird zum Planquadrat."

Ansichten aus dem Giardini-Zyklus finden Sie außer in Natur-Plurale 2(2003) auch auf unserer Homepage unter

http://www.plurale-zeitschriftfuerdenkversionen.de/Heft2_Material_Giardino.html

Weitere Informationen über seine Projekte Rudern für Liebhaber, Überflüge, Halikarnassos, Stille Tage in Guantanamo und Anderswo; beim Künstler direkt

Tom Leonhardt
Seeweg 12
78337 Wangen/ See

tom.leonhardt@web.de


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Harald F. Müller
Für böse – Plurale 3(2003) stellte uns Harald F. Müller die Fotografie einer farbigen Holzkonstruktion Fleurs du Mal zur Verfügung.

Anmerkungen aus dem Plurale-Vorwort zu Harald F. Müllers Titelbild:

PLURALE erscheint diesmal mit farbigem Umschlag.
Das ist für unser Thema böse durchaus von Bedeutung: Das Grün, mit dem der Künstler Harald F. Müller den roten Schriftzug der Fleurs du mal unterlegt hat, ist der wohl giftigsten der in der Geschichte der Kunst verwendeten Farben nachempfunden: dem Schweinfurter Grün. Schweinfurter Grün, eine Verbindung von Kupfer, Arsen und Essigsäure, war im 18. Jahrhundert als Malerfarbe beliebt. An Brillanz, Farbintensität und Lichtechtheit wurde es von keinem anderen anorganischen Pigment übertroffen – allerdings auch nicht an Giftigkeit: Beim Auftragen auf feuchten Putz sondert es arsenhaltige Dämpfe ab, die tödlich wirken können. Als prominentestes Opfer dieser Farbe gilt Napoleon, dessen Gemächer auf Sankt Helena mit Schweinfurter Grün getüncht gewesen sein sollen und der an einer Arsenvergiftung gestorben sein könnte. Schweinfurter Grün ist in Deutschland seit 1882 als Malerfarbe verboten und fand nur noch als Insektizid und als Algenschutzanstrich auf Schiffsrümpfen Verwendung.

Die historische Bösheit des Schweinfurter Grün, welches das grelle Rot des Schriftzuges Fleurs du Mal unterlegt, hat uns gereizt. Aber auch das dreidimensionale Original des Schriftzuges ist für eine Zeitschrift von Bedeutung: Der Schrift einen Körper geben. Wir tun nichts anderes. Und das böse-Heft wird hier von einem Foto umschlossen – zweidimensional – , das in seiner Blickflucht den Plurale-Raum schon anzeigt. Und böse grün anzeigt.

Weitere Informationen zu Harald F. Müllers Kontaktdaten, Fotografien und Architekturprojekten sowie Ansichten einiger seiner Werke sind einsehbar unter www.haraldfmueller.de und auch in der Galerie MAI 36 in Zürich unter www.mai36.artgalleries.ch




Irene Suhr
Irene Suhr (Berlin) stellte uns für Werkzeug – PLURALE 4 (2005) ein großformatiges Ölbild zur Verfügung.

Anmerkungen aus dem Plurale-Vorwort zu Irene Suhrs Titelbild:

Das Bild Schattenhirsch aus der Serie Fingerzeige, das uns die Berliner Künstlerin Irene Suhr für unser Titelbild zur Verfügung gestellt hat, ist […] im Original in Grautönen gehalten – mit einer Ausnahme: Das Bild ist oben und unten von einem Rand aus Rost begrenzt, unten etwas breiter, oben etwas schmaler, den wir abgeschnitten haben. Rost bedeutet hier nicht nur das Rot-Orange-Braun des Rostfarbenen, sondern tatsächlich Eisenoxide, die sich materiell vom Ölgemälde absetzen und über seine Flächigkeit hinaustreten, es rahmen und die Eigenschaft des Bildes als solches betonen. Die dunkle, farbige Wärme des Rosts ist aber trotz seiner metallenen Eigenschaft, die sich nahe dem aktuellen PLURALE-Thema Werkzeug ansiedeln lässt, nur ein Aspekt, der uns an diesen Bildern – das PLURALE-Cover ist Teil einer Serie – fasziniert hat. Das Spiel der Hände, das einen Schattenriss im Bildhintergrund erzeugt, zeigt Verlauf und Ergebnis eines Sinngebungsprozesses. Das Ergebnis, das was in zeitlicher Nachfolge – wenn hier auch in minimalem temporalem Abstand zum Fingerspiel – erscheint, ergibt stets ein figürliches Ganzes: hier einen Hirschkopf, bei einem anderen Bild einen Hahnenkopf oder schließlich, was im Spiel der erhobenen Hände mit hochgerecktem Mittelfinger nach einer Geste obszöner Beschimpfung aussieht, ein menschliches Profil. An der Hand, die dies verursacht, lässt sich das Ergebnis nicht erahnen: Die altmeisterlich gemalten Finger zeigen ein noch nicht erkennbar sinnhaftes Zusammenspiel an, das an Bedeutung erst gewinnt, nimmt man den Zusammenhang von Blick, Lichteinfall und Hand wahr. Sinnstiftend ist keineswegs die Fügung und Kombination der Finger und Handflächen, sondern das Kombinationsbedürfnis des Betrachters, eine schöne Zurschaustellung projektiver Sinngebung, die sich sinnbildlich für jedwede Interpretation und wissenschaftliche Erkenntnis lesen lässt.

Nähere Informationen zu Irene Suhrs Kontaktdaten, aktuellen Ausstellungen und Projekten, zu ihrer Biographie und Ansichten einiger ihrer Bilder sind einsehbar unter www.irene-suhr.de
Auch das für unser Cover verwendete Bild ist dort vollständig einsehbar.
Informationen zu aktuellen Ausstellungen, an denen Irene Suhr beteiligt ist, erhalten Sie auch über die Galerie Vayhinger unter www.vayhinger.de


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Anselmo Fox
Für Alltag – PLURALE 7 (2008) erstellte der Schweizer Bildhauer Anselmo Fox eigens ein Titelbild für Plurale.
[→ Zum Text über das Titelbild]

Anselmo Fox publizierte bereits in böse – PLURALE 3 (2003) eine eigene künstlerische Denkversion.
Geschoss und Engel. Blick in die Geometrie eines Tötungsdeliktes
[→ Zum Text]
[→ Zur Bildergalerie]

Kontakt unter:
anselmo.fox@gmx.de