PLURALE. Zeitschrift für Denkversionen
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PLURALE schreibt sich kein Programm auf die Fahne, sondern ist zunächst und im positiven Sinn des Wortes leer. Plurale heißt Fragen notieren, Raum schaffen, Blickwinkel einnehmen, erproben und aufgeben, unterschiedliche Stimmen - konsonant oder dissonant - zusammenzuführen, ohne sie disziplinär oder programmatisch zu dirigieren. Das regelmäßige Metrum des Periodikums wird durch die singuläre Thematik jedes einzelnen Heftes fokussiert und davor bewahrt, zur betriebsblinden Mechanik zu werden.
PLURALE (ver)sucht Bewegung, lädt dazu ein, die Potentiale der eigenen Disziplin zu nutzen, sich selbst und andere aus der Ruhe zu bringen: Der sich von Heft zu Heft ändernde thematische Fokus erlaubt ein Auffächern von Fragen und Methoden, von Denk- und Schreibweisen. Die ausgefransten Ränder und unbehausten Zwischenräume der disziplinierten akademischen Provinzen können den wandernden Blick aber nicht nur in die Weite vielgestaltiger wissenschaftlicher Landschaften lenken, sondern auch auf die eigene Denk- und Schreibspur führen, die kritisch nachzuzeichnen oder neu zu ziehen schmerzt, aber lohnt. Die Speerspitzen bis zur Bewusstlosigkeit geschliffener und gehärteter Argumentationsformen und Stichhaltigkeitskriterien gehen dabei (zumindest manchmal) zwischen den beweglichen Diskursen in eine Leere, die ihre Neuausrichtung erlaubt. PLURALE regt an, die Gesten akademischer Souveränität, die gepanzerten Auftritte selbstzufriedener Metierbeherrschung aufzugeben. Zu hoffen ist auf Neugier, auf Überraschung und gegenseitige Ansteckung.
PLURALE affiziert vor allem Denkökonomien: Es ist Fachzeitschrift für Dedisziplinierung. Wer darin liest und/oder schreibt, soll Verunsicherung erwarten können. PLURALE heißt, den Stand der Dinge nicht zu ignorieren, sondern ihn weiterzuschreiben, heißt nicht, so zu tun, als ob es die institutionalisierten Konturen der akademischen Fächer nicht gäbe, sondern zu suchen, was sich in den Räumen und zwischen ihnen findet. Dabei wird und darf es zuerst auch zur losen Reihung von Denk- und Schreibmustern unterschiedlichster Provenienz kommen - auch die Gedanken wohnen nicht so leicht beieinander, dass sie sich nicht hart im Raume stoßen würden wie die Sachen.
PLURALE führt Diskurse mehrstimmig (vor), hat offene Ohren für Texte jenseits der eigenen Nationalsprache, für neu und/oder anders Gedachtes jenseits unserer Sprachgrenzen. Damit schafft Plurale Raum für theoretische Texte, die bislang noch nicht ins Deutsche übertragen worden sind.
PLURALE schafft Platz für supplementäre Diskurse. Sie leistet sich den Luxus, nicht immer schon auf ihrer eigenen Wesentlichkeit zu bestehen, und hofft, dadurch um so mehr herauszufordern. Die ZEITSCHRIFT FÜR DENKVERSIONEN will nicht nur als Experiment beginnen, sondern eines bleiben.
PLURALE lädt SchreiberInnen aller Disziplinen ein.
PLURALE gliedert sich in:
Editorial: Exposé zum Thema des jeweiligen Hefts, von den PLURALE-HerausgeberInnen verfasst;
Notationen: Schriften zum jeweils neuen thematischen Schwerpunkt, fokussiert von AutorInnen diverser Disziplinen und Denkrichtungen;
Transpositionen: Übersetzung eines fremdsprachigen Theorietextes, der sich nicht zwangsläufig in den thematischen Fokus des Hefts einfügt, sondern sich durch (Re-) Aktualität auszeichnet (Vorschläge von LeserInnenseite sind sehr willkommen);
Auspizien: Exposé zum Thema des jeweils nächsten Hefts;
Auktorial: Information über die AutorInnen des je vorliegenden Hefts (Fachgebiet und Forschungsinteresse/-schwerpunkt, Publikationen, Standort);
PLURALE erscheint halbjährlich und wird gemacht von
Mirjam Goller, Guido Heldt und Jörg Silbermann.